Borgsdorf - Star-Radler fährt Berlinerin um – vier Tage nach dem tragischen Unfall in Bernöwe wurde Christine N. (33) aus der Klinik entlassen.
Enrico B. (47), 4. der Senioren-Straßen-WM, war am Sonnabend beim Training auf dem Fernradweg Berlin-Kopenhagen mit der behinderten Frau zusammengestoßen. "Ich wollte ihr ausweichen, hatte keine Chance. Sie ging weiter in meine Richtung", sagt er.

Horst N., der Vater des Opfers, wirft dem Radfahrer unterlassene Hilfeleistung vor. "Das stimmt so nicht. Ich kam bei dem Unfall selbst zu Fall, wollte dann der Frau sofort helfen. Ihr Vater war aufgebracht, wollte handgreiflich werden", sagt Enrico B. "Ich konnte nichts tun, bin aber froh, dass es ihr wieder besser geht."
Berliner Kurier, 29.09.2006


Stellungnahme


Allein die Überschrift lässt den Schluss zu, dass die Frau ein Opfer von Enrico war. Auch die Aussage, dass es sich um den Ragweg Berlin-Kopenhagen handelte, auf dem der Unfall geschah, ist nur halb wahr. In Bernöwe führt der Radweg über die öffentliche Straße, ist also für Fahrzeuge aller Art zugänglich.
Die Eltern der verunfallten Frau, die offensichtlich nicht nur körperlich, sondern auch geistig behindert ist, hatten bereits des Öfteren versucht, Radfahrer zum Anhalten zu bewegen, so auch an dem Tag des Unfalls. Die Tochter wollte es offensichtlich nun ihren Eltern gleichtun. Ohne für andere erkennbaren Grund, bewegte sie sich direkt auf den Radfahrer zu, der sie kommen sah und ihr 2x auswich. Sie machte jedoch die Ausweichbewegungen mit und es kam zum Zusammenprall. Dabei wurde nicht nur die Frau verletzt, sondern auch Enrico. Es stellt sich also die Frage, wer ist hier das Opfer? Da die Frau eine Platzwunde hatte, die spektakulär blutete und das ganze auch noch mit einem spektakulären Hubschraubereinsatz endete, waren die Eltern der Frau natürlich aufgebracht und auch für unsachliche und wütende Beschimpfungen kann man unter Umstanden noch Verständnis aufbringen. Ob jedoch für eine Eisenstange, mit der der Vater der Frau auf Enrico losging, bei aller Aufregung, noch  Verständnis aufgebracht werden kann ist, sicher zu bezweifeln. Inzwischen ist die Frau aus dem Krankenhaus entlassen worden und die Platzwunde ist sicher keine Lappalie aber auch kein Schädelbasisbruch.
Die Artikel der Journalistin Claudia Keikus stellen sich also als klare Parteinnahme für die Frau heraus und unterstellen Enrico rücksichtsloses Verhalten. Menschen mit Behinderungen verdienen in jeder Hinsicht Rücksichtnahme und Verständnis, sie bedürfen aber auch Hilfe und Unterstützung, um nicht durch ihr, sicher nicht bewusstes, falsches Verhalten andere zu gefährden. An Rufmord grenzende Artikel mit Schuldzuweisungen und Stimmungsmache nach oberflächlichen Recherchen sind in diesem Zusammenhang sicher nicht dienlich. 


Autor: Uwe Rosenkranz