Hallo Schaffi, endlich haben wir die Möglichkeit dich nach 3 Monaten Milram-Profi-Team wieder zu sehen, unsere aktiven Sportfreunde der Nordgruppe Berlin interessieren sich infolgedessen schon für diverse Fragen.


Wie geht es Dir nach dem Wechsel vom Radprofi zum sportlichen Leiter und dann noch im neu gegründeten Profiteam Milram?

Die Umstellung ist natürlich riesengroß vom Sportler zum sportlichen Leiter. Früher gab es für mich den sportlichen Betreuerstab „stellenweise war es auch die Familie“, somit war das ganze Umfeld mitverantwortlich für die optimale Vorbereitung, das man sich voll entfalten konnte. Jetzt ist es so, dass ich dafür alles gebe das die Sportler die optimale Betreuung bekommen.

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Erfahrungsaustausch  Martina "Stramme Kette"  &  Schaffi "Milram-Team"

Das heißt, dass sich der ganze organisatorische Ablauf für mich verändert hat. Das fängt frühmorgens an, dass Sportler anrufen irgendwo im Trainingslager auf Teneriffa, dass ihr Rad kaputt ist, oder das spezielle Trainingsmethoden für einzelne Sportler erarbeitet werden bezüglich des Trainingsstand oder eines Motortrainings und alles so drum und dran. Dann legt man den Tagesablauf kurzfristig um, was ich ja auch aus eigener sportlicher Erfahrung kenne, um unmittelbare Erfolge zu erzielen, sind diese Begebenheiten unumgänglich. Das sind ja nur die Kleinigkeiten die nicht so gravierend sind. Die größeren Sachen sind dass man vorher planen muss wer fährt wo bei welchem Rennen. Welches Personal ist vorhanden, wie wird das Personal eingeteilt, welches Material kommt auf welchen Lkw, wie kommen die Sportler zum Hotel, dabei werde ich auch von Italien aus sehr unterstützt. Bei Mehrtagesrundfahrten konzentrieren sich diese Aufgaben enorm, da teilweise die Hotels vom Start/Ziel zwischen 30 und 100 km entfernt liegen und der Transport  für Material und Sportler zeitgenau erfolgen muss. Dabei nutzen mir jetzt meine jahrelangen Rundfahrt Erfahrungen, da jede Stadt und jedes Rennen seine Besonderheiten hat.

Wie teilen sich Eure Aufgabenbereiche bei 5 sportlichen Leitern auf?
Wir sind im Miram-Team 4 sportliche Leiter, das sind: Oscar Pellicioli ; Antonio Bevilacqua; Vittorio Algeri und mit mir sind wir dann vier.

Wie teilt ihr bei Euch bei den Fahrern auf, es war ja mal im Gespräch, dass Du eine spezielle Betreuung für Ete Zabel übernehmen solltest?
Dieser Sachverhalt kam mehr von den Medien und nicht vom Team. Sicherlich wäre es schön wenn ich hier und da für Erik da wäre. Weil wir eben viele Rennsituationen zusammen erlebt haben, dadurch ist es viel leichter eine taktische Konstellation zu starten. Ich weis wie Erik denkt und er weis wie ich denke, das macht die Sache bedeutend einfacher. Gerade in brenzlige Situationen da brauchen wir nicht stundenlang diskutieren, da reicht manchmal ein Satz-Punkt-Aus und wir haben uns verstanden. Von da her wäre es die optimalste Zusammenarbeit, aber ich möchte auch noch dazulernen sowie italienische und andere Sportler betreuen.

Gibt es bestimmte Zuordnungen bzw. Betreuung von speziellen Sportlern zu den Rennen und Rundfahrten?
Na klar, ja es wird versucht, Gianluigi Stanga hat jetzt die ganzen Frühjahrklassiker gemacht speziell für Alessandro Petacchi. Dieses ist auch Normal, dass der Teammanager die wichtigsten Rennen betreut.
Und bei mir  hat alles prima geklappt, mit Erik bei der Katar- und der Mittelmeer-Rundfahrt. Jetzt werde ich die Niedersachen-Rundfahrten betreuen.

Für Dich und für uns alle kam es ja überraschend, der Wechsel vom Profi zum sportlichen Leiter, wie kommst Du damit klar, plötzlich dass Rad in die Ecke zu stellen und Radfahren vom Auto aus zu erleben?
In den Wintermonaten hatte ich überhaupt keine Probleme, bei diesem Wetter habe ich nicht einmal darüber nachgedacht Rad zufahren. Dann habe ich gedacht, mal sehen wenn der erste Wettkampf losgeht, dass war die Katar-Rundfahrt, da hat ja alles gepasst, super Wetter, der Erfolg war da. Da musste ich feststellen, die Entscheidung war richtig, ich hätte nicht mehr tauschen wollen.
Vom ersten Tag an hat mir diese Arbeit Spaß gemacht, sicherlich bringt so ein neues Team viel Arbeit mit sich. Die Abläufe, ob sprachlich oder bezüglich der italienischen lockeren Mentalität muss man sich, und auch die Sportler, erst eingewöhnen. Ja, dass waren zum Anfang erst mal enorme Neuigkeiten, wo man kaum Zeit hatte darüber nach zu denken.

Wieviel Sport treibst Du jetzt und wie verarbeitet es deinem Körper jetzt täglich keine
160 km Leistung abzufordern?

Leider, leider treibe ich im Augenblick zu wenig Sport. Seit dem 9. Lebensjahr betreibe ich Sport und seit dem 14-Lebensjahr Leistungssport. Und jetzt war es der Zeitpunkt zu sagen, dass war es. Ich habe jetzt eine andere Aufgabe und knie mich da voll hinein. Dadurch habe ich momentan den Kopf nicht frei zu sagen, „ich gehe jetzt joggen“. Selbstverständlich kommt es auch vor, wie nach dem Kriterium International, das ich mit den Jungs eine Trainingsrunde fahre, dabei Gespräche führe und demzufolge den Kopf freibekomme.
Oft muss ich auch daran denken, wenn wir um 09.00 Uhr losfahren, dass sich jetzt auch die „alten Hasen“ von der Nordgruppe in Attackepositionen begeben. Gerne würde ich auch wieder dabei sein, aber nur bei schönem Wetter.
Jedoch die größte Umstellung waren für mich die Änderung der Essgewohnheiten. Man hatte einen Hochleistungsofen zu versorgen, wo man eigentlich alles reinschieben konnte was man wollte und man hat kein Gramm zugenommen. Und jetzt ist es so, dass der Hochleistungsofen noch Restwärme hat und man muss dann sich immer wieder sagen, „Moment mal ist es nicht ein bisschen zu viel“. Das ist eine sehr große Umstellung die ich bewältigen musste. Sicherlich werde ich jetzt auch zunehmen, aber dann habe ich auch die nötige Motivation wieder abzunehmen.


Danke Schaffi, für die nette Unterredung, wir wünschen Dir viel Erfolg in der jetzigen Funktion und hoffen dass Du uns bei den „alten Herren“ erhalten bleibst.
Das ist ein wichtiger Satz, es geht auch um zwischen menschlichen Beziehungen die in dieser Gruppe sehr wichtig sind. Jede Trainingsfahrt mit den „alten Herren“ war wie ein Katalysator, es war für mich immer ein Blick über den Tellerrand und was ist im alltäglichen Leben los. Bemerkenswert sind in dieser Gruppe die sozialen Kontakte, gerne bin ich auch nach dem Training bei den Gesprächen im Biergarten mit einem Potsdamer oder Weizen dabei. Diese Zusammentreffen fehlen mir gegenwärtig sehr. Jedoch wenn ich in nächster Zukunft Zeit finde werde ich wieder dabei sein.

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Ole und Schaffi schon in April Frühform vertieft in taktischen Konversationen